Spinnen

Ihr habt euch in den vergangenen Impulsen mit Insekten beschäftigt und natürlich ließe sich diese Reihe unglaublich weit fortsetzen. Die wichtigsten und markantesten, uns als besonders schön oder interessant erscheinenden Insekten habt ihr mit Käfern, mit Bienen, mit Schmetterlingen und mit Libellen bearbeitet. Natürlich gäbe es noch viele Arten zu besprechen, von Stechmücken und Motten, von den kleinsten Fruchtfliegen bis zu den großen Stuben- oder Fleischfliegen. Was ebenfalls wie ein Insekt erscheint, aber keines ist, ist die Spinne. In diesem Impuls werden wir uns mit Spinnentieren beschäftigen, denn sie sind unglaublich interessant für die Zeichnung.

Es gibt weltweit über 40 000 Spinnenarten, in Europa ungefähr vierzig verschiedene. Besonders sind sie in Südamerika, Australien und Asien in vielfältiger Form zu finden. Es gibt Webspinnen, die ein Netz spinnen, aber es gibt auch Spinnen, die in Erdlöchern wohnen. Das sind die sogenannten Springspinnen, die kerzengerade senkrecht in die Höhe springen können.

Auch Vogelspinnen sind eine Unterart. Natürlich gibt es giftige und ungiftige, aber von den 40 000 Arten sind weniger als zehn giftig. Die giftigsten sind in Australien zuhause, dort hat es seit 1927 dreizehn Tote gegeben. Die Vogelspinne, die anzuschauen ein besonderes Wesen ist, ist auch nicht so giftig, wie wir glauben; sie ist nicht tödlich giftig. Es ist also sehr selten, dass ein Spinnenbiss tatsächlich zum Tod führt.

Eher gefährdet sind Allergiker, bei denen ein Spinnenbiss zum anaphylaktischen Schock führen kann. Aber grundsätzlich muss man sich vor Spinnen nicht fürchten. Sie sind Aasfresser und fressen frisch getötete Tiere, meist Insekten. Deshalb sind sie außerordentlich nützlich. Sie fangen ihre Beute mit ihren Netzen ein und verschmausen sie dann. Spinnennetze findet man also dort, wo es besonders viele Insekten gibt; dort halten sich die Spinnen gerne auf.

Umgekehrt werden die Spinnen interessanterweise von den Wespen gefressen. Die unterschiedlichen Wespenarten sind fähig, die Spinne zu jagen, zu erlegen und dann aufzufressen. In der Kunst und in der Kunstgeschichte haben Spinnen unglaubliche, fantasievolle Wesen erzeugt. Die Spinnenfrau. Thekla in „Biene Maja“. Spiderman, aus Comics und Filmen, der sich wie eine Spinne über Oberflächen bewegen kann, sogar auf Glasfronten senkrecht nach oben.

Spinnen sind etwas, vor dem sich viele Menschen ekeln. Das Aussehen der Spinne ist es, was ein Grausen über das Visuelle erzeugt. Dennoch gibt es sehr unterschiedliche Wahrnehmungen von Spinnen. In Asien zum Beispiel wird sie in frittierter Form auf der Straße als Delikatesse angeboten.

In Westafrika ist die Spinne eine Gottheit. Im europäischen Kontext oder auch in nordamerikanischen Ländern ekeln wir uns vor Spinnen, obwohl sie so nützlich sind. Im Gegensatz zu den Insekten, die ja alle sechs Beine haben, haben Spinnen acht Beine. Kopf und Thorax sind nicht mehr zweiteilig wie bei Insekten, sondern sie bilden gemeinsam einen Teil.

Sehr interessant sind die Augen einer Spinne. Spinnen können ihre Augen nicht anpassen, indem sie die Linse größer oder kleiner machen, aber sie können die Augen verschieben, nach links und rechts bewegen, um sozusagen um die Kurve zu schauen. Ein Auge setzt sich dabei aus vielen einzelnen Augen zusammen. Sie haben Hauptaugen, Nebenaugen und Seitenaugen und damit diese gute Wahrnehmung über das Sehen.

Spinnen haben eine weitere besondere Fähigkeit: sie spüren Vibrationen. Denn ihre Beine sind mit vielen feinen Borstenhärchen ausgestattet und diese Härchen sind neuronal gut durchzogen, sodass sie die kleinsten Erschütterungen spüren. Das heißt, auch wenn der Feind noch gar nicht zu sehen ist, können Spinnen schon die Erschütterungen spüren und flüchten.

Damit sind sie hervorragend gegen viele Feinde geschützt. Vorne an ihren Beißwerkzeugen sind viele Spinnenarten außerdem mit Giftdrüsen ausgestattet. Bis auf wenige Arten ist dieses Gift nur für kleine Tiere, die sie erlegen, tödlich, aber nicht für den Menschen gefährlich. Auch interessant ist, das Spinnen keine Metamorphose durchmachen. Das heißt, sie werden als fertige Spinnen aus dem Ei geboren, klein zwar, aber fertig. Sie häuten sich manchmal, wenn sie größer werden, aber sie verändern sich nicht von einem Kokon in eine Spinne. Dieses Zwischenstadium gibt es bei Spinnen nicht.

Das sind die äußeren Merkmale der Spinne, die besonders wichtig sind, wenn wir eine Spinne genau anschauen. Ich hoffe nicht, dass ihr eine Arachnophobie habt, aber wenn das der Fall ist, quält euch nicht und studiert nur das Spinnennetz. Aber sonst recherchiert ihr, nehmt eine Spinne aus den vielen verschiedene Arten heraus und zeichnet sie. Dieses Tier, das uns möglicherweise nicht so schön erscheint, hat, wenn ihr genau hinschaut, ganz besondere zeichnerische Sensationen, mit diesen vielen Haaren, den Beinen, dem Körper und den Augen, sodass ich euch sehr rate, sie genau zu studieren. Jedes Detail ist wichtig, jedes Härchen bedeutet ein zeichnerisches Element. Durch die Verdichtung, durch den Kontrast von stärker und schwächer wird die Zeichnung lebendig und besonders schön.

Vielleicht zeichnet ihr einen Weberknecht, das ist zwar keine Spinne, aber ein spinnenähnliches Insekt. Oder eine Kreuzspinne, das ist eine der wenigen giftigen Spinnen, die aber auch nicht tödlich giftig ist, sondern eben schmerzt, wenn sie uns beißt. Meistens laufen die Spinnen davon.

Sie hüpfen uns also nicht an und beißen uns, sondern sie suchen das Weite. Vielleicht gewinnt ihr in eurer Recherche eigene Einblicke ins Spinnenleben, ins Spinnendasein. Im Herbst, wenn es kühl wird, kommen die Spinnen oft ins Haus, sie suchen dann nach wärmeren Unterkünften. Da ist es noch warm, aber die Spinnen kommen schon ins Haus; das heißt, der Herbst kündigt sich an, die kalten Nächte kündigen sich an, obwohl es noch gar nicht kalt ist. So zeigen uns die Spinnen nahende Kälteperioden an.

Ich wünsche euch beim genauen Studium der Spinnen einen optischen Genuss oder bei einem schönen Spinnennetz mit herausragenden Linien. Habt Spaß dabei!